Im späten 19. Jahrhundert gründete Großbritannien Kolonien in ganz Indien, im Fernen Osten, in Afrika, im Südpazifik und in der Karibik. Die britischen Bürger, die sich in diesen exotischen Ländern ansiedelten, nahmen ihren „Wohnkomfort“ von zu Hause mit: Möbel, Einrichtungsgegenstände und die üblichen Verzierungen des gut ausgestatteten viktorianischen Hauses. Sie waren es gewöhnt ihre Wände in Smaragdgrün, Rubinrot und Dunkelblau zu schmücken. Außerdem Stoffe aus schwerem Damast und Samt; Plüschpolsterung; geschichtete Fensterdekorationen und dergleichen. Es war ein Dekor für die regnerischen, kalten Tagen in England. Nichts für die sonnenverwöhnten und schwülen tropischen Klimazonen. So passten sich die Kolonisten an - nicht nur an das Klima, sondern auch an einheimische Stile und Materialien. Dabei kreierten sie den britischen Kolonialstil, eine Mischung aus Tradition, Eleganz, Raffinesse und der entspannten, faszinierenden Ästhetik ihrer neuen Umgebung.

Wir haben hier einige der vorherrschenden Merkmale des britischen Kolonialdekor gelistet, die Du in Deine eigene Einrichtung integrieren kannst.

Motivname: Aqua No2

Leicht und luftig

Kühl und erfrischend ist einer der authentischsten Aspekte des britischen Kolonialstils. Die Wände waren weiß, cremefarben, dezent blau oder grün gestrichen um die raue, tropische Hitze zu mildern und um die Räume zu „öffnen“. Dadurch entsteht die Illusion von mehr Raum. Horizontale Jalousien aus natürlichem Bambus und fließende, durchscheinende Vorhänge aus Baumwolle und Leinen. Die Fensterdekorationen filterte so das Sonnenlicht und dennoch blieben die Räume hell.

Dunkle Kontraste

Dunkelbraune Holzfensterläden sind ebenfalls ein Schlüsselelement des Designs. Sie sind so funktional wie dekorativ. Sie bilden einen auffälligen Kontrast zu den hellen Wänden und Vorhängen und sorgen so für eine effektive Farbtonveränderung, während sie vor Stürmen schützen und den Fluss kühler Brisen steuern.

Fußböden aus dunklem, heimischem Holz sind ein weiteres Markenzeichen des Stils. Die britischen Kolonisten verwendeten afrikanisches Teak, Mahagoni, Ebenholz, Eisenholz und Paranuss. Einige von ihnen sind heutzutage unerschwinglich teuer und andere gefährdet. Der gleiche Effekt kann durch Verwendung dunkler Beize auf Kiefer oder einem anderen kostengünstigen Holz erzielt werden.

Motivname: Farbvielfalt

Natürliche Gewebe

Böden und Wände können mit natürlich gewebten Sisal- oder anderen Schilfdecken ausgelegt werden. Diese Textur ist für das britische Kolonialdesign unerlässlich. Rohrstock, Rattan und Jute bilden neben Sisal und Schilf einen interessanten Kontrast zu den traditionellen dunklen Möbeln. Die braunen Töne trugen auch dazu bei, die hellen Wände mit dem dunklen Boden zu verbinden.

Eine klassische Kombination ist die Verwendung von leichtem Rattan mit Möbeln aus Teakholz. Beispielsweise verwendet in einer Liege – sie trägt dadurch ein Hauch der „Alter Welt“, welcher das Design sofort als kolonial erkennen lässt. Bambusstühle und andere Möbel wurden oft mit Rohrstock versehen. Heute können Bambusstühle in verschiedenen Größen und Formen mit gewebtem Kunststoffsitzen das traditionelle Weben ersetzen. Platziere sie überall, nicht nur für das Aussehen, sondern auch für die bequeme Sitzmöglichkeiten zwischendurch.

Grüne Note

Satte dunkle Grüntöne bieten die perfekte Mischung aus anmutigen Farben zu den hellen Wänden, dunklen Böden und Fensterläden. Die Kolonisten brachten gekonnt die große Pflanzenvielfalt mit ein. Du kannst Palmen (entweder die ganze Pflanze oder als Wedel), Farne, Geigen-Feigen und Geldbäume einsetzen. Philodendren sind eine gute Wahl für gärtnerisch unbegabte Menschen. Sie sind relativ preiswert und halten den „schwärzesten Daumen“ stand.

Mutige und schöne Stoffe

Die traditionellen Chintz-Designs und schweren Stoffe aus England wurden durch leichte Baumwoll- und Leinenstoffe mit botanischen und tierischen Mustern, Paisleys und Ikat (eine indonesische Webtechnik mit abschnittsweise gefärbten Garn) ersetzt.


Es ist am besten, diese Stoffe in kleinen Schritten einzuführen, z. B. mit einem paar Wurfkissen auf unifarbenen Bezügen. Dann kannst Du dich entfalten und Deiner Fantasie freien Lauf lassen. Vielleicht nutzt Du auch Lampenschirme mit farbigen Drucken oder einen Duschvorhang.

Tierhautteppiche und Möbelbezüge waren in der Kolonialzeit unabdingbar. Heute verwenden wir natürlich künstliche Tierfelle, wie einen Zebra-Teppich auf dem Boden oder Wurfkissen mit Tiger- oder Leopardendrucken auf der Liege.

Motivname: Berlin Tag

Zubehör

Der britische Kolonialstil ist wunderbar, denn er ermöglicht es Dir, Deine liebsten Erinnerungsstücke zur Schau zu stellen. Egal, ob es sich dabei um wertvolle Stücke einheimischer Kunst oder um skurrile Dekogegenstände handelt. Du hast sie vielleicht auf fernen Reisen mitgenommen, wie die britischen Kolonisten, oder nicht weiter weg als auf einem örtlichen Flohmarkt oder Antikgeschäft gekauft. Der Spaß daran ist, sich diesem Stil anzuschließen, um Rahmen zu schaffen, die Ihre Geschichte erzählen. Du kannst den viktorianischen Einfluss mit feinem Porzellan, Kristall und Silber neben Skulpturen und geschnitzten Holzteilen, Globen, Teleskopen, Büchern und Kerzen bewahren - es geht darum, dass Du keine vorgeschriebene Liste von Gegenständen haben musst!

Es geht um dich.

An den Wänden befinden sich die wunderschön verzierten, vergoldeten Spiegel, die von den Viktorianern bevorzugt wurden. Sei nicht geizig mit ihnen. Sie wirken überall: im Foyer, im Essbereich und sogar im Badezimmer, wo sie eine wunderbare Überraschung für Deine Gäste sind. Auch im britischen Kolonialstil sind antike Wandkarten ein wichtiges Element. Sie sind nicht nur äußerst dekorativ, sondern lehren auch über die Welt in verschiedenen politischen Perioden. Das Beste von allem sind die Gesprächsstoffe.

Du hast jetzt eine Fülle an Ideen, mit denen Du arbeiten kannst. Du möchtest natürlich auch nicht alle wahllos unterbringen. Es ist eine Kunst, auszuwählen, was für Dein Dekor am besten geeignet ist. Versuch es einfach.